Hohe Auslastung im Maschinenbau der Oberflächentechnik

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Unter den Maschinenbaubranchen läuft es für die Oberflächentechnik seit Jahren besonders gut. Die Branche befindet sich in einer Hochkonjunktur.

Für das laufende Jahr geht die VDMA Oberflächentechnik von rund 2,3 Milliarden Euro Produktionsvolumen aus. Damit ist die deutsche Oberflächentechnik in 5 Jahren um 48% gewachsen.

Auch die Produktion des deutschen Maschinenbaus insgesamt läuft derzeit auf Hochtouren. Mit einem Produktionsvolumen von 215 Milliarden Euro in 2017 und weiteren 5 Prozent Wachstum für das laufende Jahr sind die deutschen Maschinenhersteller sehr gut ausgelastet.

 

In der Oberflächentechnik hat China mit 17% Anteil in der Rangliste der Exportnationen inzwischen mit Deutschland gleichgezogen. Der internationale Handel der Oberflächentechnik ist durch eine konzentrierte Anbieterstruktur charakterisiert. Die 7 stärksten Exportnationen stehen für 3/4 des Marktes. Abnehmerseitig bleiben China und USA die stärksten Nachfragemärkte für deutsche Oberflächentechnik. Diesen beiden folgt ein europäisch dominiertes Mittelfeld. Rund 2/3 der deutschen Maschinenexporte der Oberflächentechnik gehen in die 13 stärksten Zielmärkte. Allerdings dominiert der europäische Binnenmarkt die Nachfrage nach deutscher Oberflächentechnik mit über 50%.

 

Das heterogene Technologieangebot der Oberflächentechnik umfasst z.B. die Lackiertechnik, die Strahltechnik, die Reinigung- und Vorbehandlungstechnik und die industrielle Plasma-Oberflächentechnik und wird in allen Bereichen der produzierenden Industrie genutzt. Die zusammengerechnet mit über 60% Anteil umsatzstärksten Abnehmerbranchen, die Automobilindustrie und die metallverarbeitende Industrie, stellen höchste Anforderungen an die Leistungsfähigkeit ihrer Produkte und bieten so die größten Innovationsimpulse für die Oberflächentechnik.

 

Umgekehrt stellt Lackiertechnik auch oft anspruchsvolle Anforderungen an die Produktionsumgebung. So ist das hohe Qualitätsniveau der Automobilserienlackierung Ursprung der Anstrengungen zur Sicherstellung der Lackverträglichkeit (LABS Konformität) der in der Fertigung eingesetzten Produkte und Substanzen. Maschinenhersteller für die Automobilproduktion müssen sich daher auch mit diesen Anforderungen der Oberflächentechnik auseinandersetzen. Ohne einheitliches Prüfverfahren mussten sie ihre Produkte bisher kundenspezifisch – also mit vielfachem Prüfaufwand – qualifizieren.

Vor diesem Hintergrund organisierte die VDMA Oberflächentechnik die Erarbeitung einheitlicher Anforderungen an die Prüfung der LABS-Konformität von Produkten bezogen auf ihren bestimmungsgemäßen Einsatz.

Die stetig wachsende Arbeitsgruppe aus Maschinenbau, Forschung und Automobilindustrie umfasst heute rund 60 Experten. Namhafte Maschinenbauunternehmen aus 30 VDMA Fachverbänden sind beteiligt. Die Klassifikation und die Prüfanforderungen beschreibt das Einheitsblatt VDMA24364. Der ergänzende VDMA LABS Leitfaden gibt Praxistips zur Durchführung der Prüfung und Maßnahmen für die Produktion LABS konformer Produkte.

Durch die gemeinsame Beschäftigung vieler relevanter Marktteilnehmer mit LABS konnte eine neue und auch realistische Sicht auf das Thema gelegt und beschrieben werden. Insbesondere für Katalogprodukthersteller ist es wirtschaftlich kaum darstellbar, allen individuellen Kundenanforderungen zur LABS-Konformität bei einem Serienprodukt gerecht zu werden. Die vereinheitlichte Regelung zur LABS-Konformität schafft mehr Sicherheit bei der Konstruktion und mehr Klarheit zwischen Kunde und Lieferant.

 

Für Produktivität und Produktinnovation sind in den beiden führenden Zielbranchen funktionale Oberflächen wichtige Schrittmacher. Bei spanenden Fertigungsverfahren sind Präzisionswerkzeuge extremen Belastungen durch Verschleiß, Reibung und Temperatur ausgesetzt. Schichtsysteme der Industriellen Plasma-Oberflächentechnik sind hier seit Jahren alternativlos im Einsatz und werden stetig weiterentwickelt. Die Leistungsspitze ist heute durch CVD-Diamant beschichtete Werkzeuge definiert. Mit diesen Hochleistungsschichten können auch superabrasive Werkstoffe wie zum Beispiel Graphit, faserverstärkte Kunststoffe oder Metallmatrix-Verbundwerkstoffe zerspant werden. D. h. die moderne Werkstoffentwicklung treibt die Anforderungen nach oben.

 

Die Oberflächentechnik bietet also vielfältige Möglichkeiten zur Qualitäts- und Leistungssteigerung nicht nur bei spanenden Werkzeugen, sondern auch bei hochbelasteten Maschinenbauteilen. Häufig in einer Schlüsselrolle bei Produktinnovation, kann sie zur Absicherung bestehender oder Erschließung neuer Marktanteile beitragen. Ob diese technischen Möglichkeiten für verschleißfestere oder korrosionsbeständigere Produkte, sprich zur Standzeitverlängerung genutzt werden, ist allerdings auch abhängig von Aspekten wie z. B. dem Einfluss auf bestehendes Ersatzteilgeschäft.

 

 

Kontakt

Dr. Martin Riester

VDMA Oberflächentechnik

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