VDMA 24364: Neue Norm für Prüfung auf Lackierverträglicheit

Frauenhofer IPA

VDMA-Mitglieder haben in einem Einheitsblatt Anforderungen an die Prüfung und Klassifikation von Produkten für den Einsatz in lackverarbeitenden Produktionsbereichen erarbeitet.

Nach mehr als zweijähriger Arbeit hat der VDMA-Arbeitskreis „LABS“ das Einheitsblatt 24364 fertiggestellt. Es beschreibt Anforderungen an die Prüfung von Produkten auf lackbenetzungs- störende Substanzen (LABS) auf Grundlage einer auf den bestimmungsmäßigen Einsatz der Produkte bezogenen Klassifikation. Damit ist die Prüfschärfe auf die Einsatzbedingungen abgestimmt. Am Einheitsblatt haben neben Experten aus der Industrie und aus Forschungseinrichtungen VDMA-Mitglieder aus rund 30 Fachverbänden mitgewirkt. Das Interesse der VDMA-Mitglieder am Einheitsblatt ist im Laufe der Zeit kontinuierlich gestiegen. Entstanden ist schließlich ein Regelwerk, das auch in der Praxis Anwendung finden kann.

Verschiedene Blickwinkel helfen
„Jeder hatte das Thema LABS schon auf dem Schirm und war es auf seine Art und Weise angegangen. Es zeigte sich schnell, dass es der Sache gut tut, wenn man sie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet“, sagt Thomas Weidmann, Geschäftsführer der Krautzberger GmbH aus Eltville am Rhein. „Wir sind mit unseren Produkten meist in direktem Kontakt zu den Beschichtungsstoffen und somit auch zu der zu lackierenden Oberfläche. Das Thema ist für uns zwar nicht neu, dass es jetzt aber ein VDMA-Einheitsblatt dazu gibt, an das sich alle halten können, begrüßen wir sehr“, sagt Weidmann.

LABS können zur Kontamination von zu lackierenden Werkstücken führen. Im Lackierprozess können sie Benetzungsstörungen und damit Lackierfehler verursachen. Die Folge ist ein hoher Aufwand für Nacharbeit und Fehleranalyse. Aus diesem Grund müssen Zulieferer auch die Lackverträglichkeit ihrer Produkte gegenüber ihren Kunden bestätigen.

Ohne einheitliches Prüfverfahren, mussten Zulieferer ihre Produkte bisher kundenspezifisch – also mit vielfachem Prüfaufwand – qualifizieren.

Einheitsblatt schafft Vertrauen
„Vergleichbare und verlässliche Aussagen über unsere Produkte geben Sicherheit im Markt. Durch die Einhaltung des VDMA-Einheitsblattes können wir unseren Kunden unser Qualitätsversprechen untermauern“, sagt Paul Bühler, Quality Engineer bei der Sick AG in Waldkirch. Gleichzeitig können wir das Verständnis zum Thema LABS im Konzern vertiefen.

Kunden, Lieferanten und auch Fachverbände beschäftigen sich schon lange intensiv mit der LABS-Thematik. Durch die Vereinheitlichung der gewonnenen Erkenntnisse konnte das Thema im Einheitsblatt knapp und verständlich zusammengefasst werden.

„Durch das neue Einheitsblatt sehen wir die reale Chance, die Aussage über die LABS-Konformität von Produkten zu standardisieren. Das vermeidet redundante Prüfungen und Blindleistung und festigt das Vertrauen zwischen Lieferanten und Kunden“, ist Bühler überzeugt.

Als Ergänzung zum Einheitsblatt 24364 erarbeitet der VDMA-Arbeitskreis LABS einen Leitfaden, der Hinweise für die praktische Durchführung der Prüfung gibt und Maßnahmen für eine LABS-konforme Produktion beschreibt. 

Bessere Abstimmung möglich

„Durch die gemeinsame Beschäftigung vieler relevanter Marktteilnehmer mit LABS konnte eine neue und aus meiner Sicht auch realistische Sicht auf das Thema gelegt und beschrieben werden“, sagt Eberhard Klaiber, Leiter Standardisation und Classification bei der Festo AG & Co. KG, Esslingen. Der Nutzen für Festo liege darin, dass das Produktportfolio besser auf die Anforderungen des Marktes abgestimmt werden könne. „Nach meiner Erfahrung gibt es seit vielen Jahren sehr gute Kontakte zwischen dem VDMA und Festo, insbesondere zum Fachbereich Fluidtechnik. Durch die zunehmende Konvergenz der Technologien ist Festo auch in anderen Fachbereichen präsent. Weniger naheliegend war eine Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Oberflächentechnik, die erst durch die Beschäftigung mit einer Richtlinie für lackbenetzungsstörende Substanzen zustande kam“, sagt Klaiber. Die langjährigen Erfahrungen in der Gremienarbeit und die guten Beziehungen zum VDMA hätten das gemeinsame Vorhaben und die Zusammenarbeit im VDMA-Arbeitskreis LABS beflügelt.

Bei der LABS-Konformität handelt es sich um Kundenanforderungen, wobei bisher verschiedene Kunden unterschiedliche Anforderungen an die LABS-Konformität beschreiben. Für einen Katalogprodukthersteller ist es wirtschaftlich kaum darstellbar, allen individuellen Kundenanforderungen zur LABS-Konformität bei einem Serienprodukt gerecht zu werden. Eine vereinheitlichte Regelung zur LABS-Konformität schafft mehr Sicherheit bei der Konstruktion und mehr Klarheit zwischen Kunde und Lieferant.

Durch die gemeinsame Arbeit und die Herausgabe einer Norm wird das Thema lackbenetzungsstörende Substanzen versachlicht und in vielen Publikationen und Vorträgen verständlich erklärt. Das wird dazu beitragen, dass LABS in Zukunft viel von der Undeutlichkeit verliert, die derzeit noch damit verbunden wird.   

 

Das Einheitsblatt 24364 und Weitere können über den Beuth-Verlag in Berlin auf www.beuth.de bezogen werden.

Wir können mit VDMA 24364 redundante Prüfungen und Blindleistung vermeiden.