Wirtschaftliche Entwicklung in der Oberflächentechnik

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Die Branche blickt optimistisch auf das Jahr 2017 und rechnet mit einem leichten Umsatzplus.

Als Oberflächentechnik werden hier die folgenden Bereiche betrachtet: Lackiertechnik, Strahltechnik und Industrielle Plasma-Oberflächentechnik.

Die Unternehmen sind dabei Anbieter von Komponenten, Systemen und Anlagen zur
Vorbehandlung und Oberflächenbehandlung sowie -beschichtung und Lacktrocknung bis hin zu produktbegleitenden Dienstleistungen.

Oberflächentechnik wird als typische Querschnittstechnologie in weiten Teilen des Verarbeitenden Gewerbes bis hin zum Handwerk eingesetzt. 

Produktion und Umsatz
In der amtlichen Produktionsstatistik lassen sich nur Teilbereiche der Oberflächentechnik ohne Vermischung mit anderen Produktgruppen eindeutig identifizieren, die jedoch als Indikator für die konjunkturelle Entwicklung der Branche genutzt werden können. Dabei handelt es sich um folgende Positionen:

• Maschinen für die Vorbehandlung von Metallen
• Spritz- und Sprühpistolen, -geräte, -automaten bzw. -systeme
• Apparate und Vorrichtungen zum Aufdampfen von Metall im Vakuum 
• Maschinen für die Oberflächenbehandlung oder -veredelung von Metallen sowie
• Teile für diese Erzeugnisse

Das Produktionsvolumen dieser Positionen erreichte 2016 einen Wert von voraussichtlich 1,8 Mrd. Euro. Nach dem starken Wachstumsjahr 2015 rechnet die Branche für 2016 mit einem Zuwachs der deutschen Produktion um voraussichtlich etwa 4%.
Hinzu kamen 2016 in der amtlichen Produktionsstatistik etwa 450 - 470 Mio. Euro für Montagen und Instandhaltung und aus dem Bereich Trocknungstechnik rund 100 - 110 Mio. Euro für Lacktrockner. Allerdings werden weite Teile des Anlagenbaus von der amtlichen Produktionsstatistik nicht vollständig erfasst wird.

Wichtige Kundenbranchen sind neben der Automobilindustrie mit ihren zahlreichen Zulieferern, der Maschinenbau und andere metallverarbeitende Industrien, die Kunststoff- und Möbelindustrie sowie das Handwerk. Der Fachverband schätzt den Umsatz für die gesamte deutsche Lackiertechnik 2016 auf etwa 3,7 Mrd. Euro.


Die Unternehmen der Industriellen PlasmaOberflächentechnik konnten 2015 mehr Bestellungen hereinnehmen als im Vorjahr. Der Auftragseingang stieg um etwa 8%. Der Umsatz der Industriellen Plasma-Oberflächentechnik zog 2015 unter Berücksichtigung von Komponenten, Gesamtanlagen, Lohnbeschichtung und anderer Serviceleistungen um 4% auf schätzungsweise 1,7 Mrd. Euro an.

Außenhandel
Die amtliche Außenhandelsstatistik folgt in etwa der gleichen Abgrenzung der Produktionsstatistik. Die so ermittelten Exporte der Branche kletterten 2015 um 33%. Nach dem starken Anstieg 2015 gingen die Ausfuhren 2016 um 16% zurück. Insgesamt beliefen sich 2015 die Exporte in dieser Abgrenzung der Oberflächentechnik auf 642 Mio. Euro.


Das Exportvolumen in einzelne Länder ist oftmals stark vom Projektgeschäft beeinflusst und kann so von Jahr zu Jahr starken Veränderungen unterliegen. Die deutschen Ausfuhren in die EU nahmen 2016 insgesamt um 7% ab. Jedoch wuchsen die Exporte 2016 z. B. nach Slowenien, Tschechien, Belgien, Spanien, kräftig. Die wichtigsten Abnehmerländer der deutschen Anbieter in der EU waren 2016 Tschechien, Rumänien, Italien, Spanien, Frankreich und Polen. Rund die Hälfte der deutschen direkten Exporte gehen in die Länder der EU-28.

Das Geschäft mit den sonstigen europäischen Ländern wuchs 2016 mit +3% leicht. Rückläufig war insbesondere das Geschäft mit der Türkei (-30%) und Russland (-4%). Dagegen wuchsen die Lieferungen in die Schweiz, dem wichtigsten Abnehmerland dieser sonstigen europäischen Märkte, um 24%. 


Die Ausfuhren nach Asien sanken 2016 in Summe deutlich um 21%. Allerdings entwickelten sich die einzelnen asiatischen Regionen sehr unterschiedlich. Die wichtigste Region bleibt Ostasien, die 19% weniger oberflächentechnische Erzeugnisse abnahm. Kräftige Einbußen waren 2016 beim Export in den Nahen und Mittleren Osten zu verzeichnen. Positiv entwickelte sich Zentral- und Südasien aufgrund einer gestiegenen Nachfrage aus Indien.

Der mit weitem Abstand wichtigste Markt bleibt unangefochten China. Die deutschen Lieferungen nach China sanken allerdings 2016 um gut 19%.


Dagegen zogen die Exporte nach Indien und Korea an, die auf Rang 2 und 3 der asiatischen Zielmärkte liegen.


Die Ausfuhren nach Nordamerika sanken kräftig. Mit einem Exportrückgang im Jahr 2016 von 32%. Jedoch hatte sich das Ausfuhrvolumen in die USA 2015 binnen zwei Jahren verdoppelt. Auch die Ausfuhren nach Mexiko – dem zweitwichtigsten Markt auf dem amerikanischen Kontinent – gingen stark zurück, ebenso wie die Exporte nach Südamerika.


Die wichtigsten Abnehmerländer waren 2016 weltweit China, die USA, Tschechien, Rumänien, Italien, Spanien, Frankreich und Polen. Jedoch spielen in der Oberflächentechnik Auslandsstandorte eine bedeutende Rolle, sodass den direkten Exporten noch ein großer Anteil an Auslandsproduktion hinzuzurechnen ist.


Die Einfuhren nach Deutschland stiegen 2016 kräftig um 14% auf rund 180 Mio. Euro. Mehr als die Hälfte der deutschen Importe kam aus der Schweiz und China. Weitere wichtige Lieferländer waren Italien, USA, Korea und die Niederlande.  

Lage und Aussichten
Die aktuelle Umsatzentwicklung der Lackiertechnik wird von den Unternehmen der Branche auf Basis der Blitzumfragen positiv und damit besser als dies die Export- und Auftragseingangsdaten belegen eingeschätzt. Die Ursache dafür liegt in der unvollständigen Erfassung des Anlagenbaus in den Statistiken. Ebenso bleiben die Umsätze in den Auslandsgesellschaften unberücksichtigt.  


Trotz verschiedener Krisenherde und steigender Risiken im Umfeld blickt die Branche unverändert optimistisch auf das Jahr 2017 und rechnet für die Oberflächentechnik mit einem leichten Umsatzplus.


Das Wachstum wird aber nur erreichbar sein, wenn die geopolitischen Unsicherheiten nicht weiter zunehmen. Effizienzbewusstsein ist inzwischen zu einem wichtigen Kriterium auf Anwenderseite geworden, so finden Energieverbrauch und Lebenszykluskosten inzwischen stärkere Beachtung. Ebenso wachsen die Qualitätsanforderungen der Kunden.